Giordano Bruno und Galileo Galilei

Die Ehre gebührte also nur denen, die auf dem Scheiterhaufen verbrannten. Die, die die Folter überlebten, wurden als vermeintlich Geständige ins dunkle Exil der Einsamkeit und Verachtung verbannt, nicht nur von den Folterern, sondern auch von den ehemaligen Weggefährtinnen.

Es war wieder sehr unruhig in der sonst so stillen Zelle. Weiterlesen

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Der Zug war abgefahren

Es war wieder einer dieser Momente, in denen sie sich am liebsten weggeschmissen hätte auf die Müllhalde kaputter Körper, sie wusste mit sich nichts anzufangen. Weiterlesen

Mesantropia I

Es war schon spät als ihre Schicht zu Ende ging. Der Bus wartete und die Frauen der Putzkolone hatten sich wie gewohnt die sicheren Frauenplätze vorne im Bus gesichert, ihre angeschwollenen Füße in enge Lederschuhe verpackt, kicherten sie und schnatterten in einer Sprache, die sie nicht verstand. Aus den Klängen und dem Gekicher hörte sie kein Wehleiden, eher, wie sie gerad über den Hintern des Busfahrers lästerten, auf eine anzügliche Art, die normalerweise nur den Männern vorbehalten ist.

Der Bus fuhr los, erschöpft vom langen Tag versuchte sie sich auf den Sinn der Wörter zu konzentrieren, die sie las, aber sie wurde immer wieder unterbrochen vom Gelächter und Gelaber all der Menschen, die bei jedem Halt dazu stiegen. Junge Frauen und Männer, mit allen Merkmalen, die Studentenbagage ausmachen, in verschiedensten Düften und Biergeruch getauft, redeten sie, bis die ganze Luft im Bus verbraucht war.

Es sollte ein Gesetz geben, das den Menschen verbietet zu sprechen, wenn sie es ohne Denken und Ziel tun, dachte sie. Naja, ein Ziel hätte das Wortkotzen sicherlich, nämlich den Beweis der Anwesenheit, den Beweis der Existenz. Einer Existenz, die ihr zuwider war, wenn diese tatsächlich den Inhalt hatte, was sie von sich gaben, denn es ging nur um Nichtigkeiten und zu ihrem persönlichen Ärgernis um Dummes. Das Paarungsverhalten als einziges Überbleibsel von 100 000 Jahren Evolution, als ständiges Intermezzo menschlichen Daseins. Sie hatten sich heute sicherlich schon selbst gefüttert- wahrscheinlich in einer universitären Sammelfutterstelle, alles wieder ausgeschissen und runtergespült mit drei Litern besten Trinkwassers und einer kleinen Fingerbewegung. In Uniformen gekleidet und jeglicher Individualität beraubt, quoll ihr Gefasel wie stinkender Eiter aus ihren Mündern. Das einzige, was half, war die Kopfhörer auf volle Lautstärke zu drehen und lieber ein physisches Hörschaden in Kauf zu nehmen.

Sie hasste sie und sich selbst, weil sie mitten unter ihnen weilte und mit ihnen alt wurde. Keine Aussicht auf Veränderung, keine Aussicht auf Ausbruch von Verzweiflung, jeglicher Widerspruch wurde verneint und ignoriert. Nur die Flucht blieb, aber wohin außer in die Einsamkeit? Einsamkeit, eine im eigenen Atmen gewogene Stille, das die Taubheit auflöste und jede Zelle in eine befriedigende Erschütterung versetzte. Wie sehr sehnte sie sich danach.