eigentlich solltes es empowernd sein, sich gegen street harassment zu wehren. es sollte ein gutes gefühl hinterlassen. bestärken, das näxte mal, in so einer ähnlichen situation wieder so zu handeln. wieder etwas zu sagen. nicht stumm zu bleiben und herunterzuschlucken.

leider sieht die realität nur sehr selten aus, wie sie eigentlich sollte.

szenario: ich war mit freund*innen in einer kneipe, die anderen ziehen weiter, ich möchte nach hause, weil ich eh schon viel zu müde bin & am nächsten tag früh raus muss. der letzte bus ist schon weg, also mache ich mich zu fuß auf den weg, ca. eine stunde werde ich brauchen.

die stadt ist voll von feierwütigen, betrunkenen. ich hätte gerade lieber niemanden um mich rum, schon gar nicht diese lauten, lärmenden, aufdringlichen maszen. gleich bin ich aus der innenstadt raus, dann habe ich meine ruhe, nur noch 1 brücke.
auf dieser brücke kommen mir 3 betrunkene junge typen entgegen, streicheln ihre telefone, unterhalten sich relativ laut. ich beachte sie erst nicht wirklich, in meinen augen unterscheiden sie sich nicht vom rest der party people, sind uninteressant bis nervig. das ändert sich sehr schnell, als sich aus der unterhaltung laut und deutlich ein „du h*re!“ abhebt. leider fühle ich mich angesprochen.
verschiedene, allesamt unangenehme bzw. nicht-positive gefühle kommen in mir hoch: wut, ein gewisses minderwertigkeitsgefühl, verletztheit, verärgerung.
zuerst gehe ich mit diesen gefühlen weiter, lasse das gesagte unkommentiert. nach ein paar schritten kann ich jedoch genug mut & wut sammeln, um mich nochmal umzudrehen und die 3 betrunkenen anzugehen, was das sollte.

die „diskussion“, die darauf folgt, soll mich wohl davon überzeugen, dass

  1.  mit „du h*re!“ nicht ich, sondern einer von ihnen gemeint war, der das
  2.  auch mit filzstift auf dem arm stehen habe, weshalb
  3.  der gebrauch des wortes als – von mir so verstanden – abfällige bezeichnung in ordnung sei, weil ja nicht gegen eine frau* und ich außerdem
  4. mal nicht so überreagieren solle.

zuerst versuche ich noch auf diese „argumente“ einzugehen (warum?! gute frage…), scheitere aber schnell an der ignoranz und betrunkenheit meiner gegenüber und breche die situation ab, indem ich wutschnaubend den weiteren heimweg antrete.
so ganz abgebrochen ist die situation aber leider doch nicht, zumindest nicht für mich.
ich fühle mich schlecht. ich habe das gefühl, tatsächlich überreagiert zu haben, schäme micht fast für meine intervention. ich fühle mich schlecht, weil ich mich angesprochen gefühlt habe, obwohl ich doch hätte wissen können, dass ich gar nicht gemeint war. ich fühle mich dumm, so viel energie in eine unterhaltung zu stecken, deren ausgang von vorneherein absehbar war.
und dann ärgere ich mich über diese unsinnigen vorwürfe, die ich mir mache. weil es immer gut und sinnvoll ist, etwas gegen sexistische & slutshamende kackscheiße (und andere kackscheiße) zu sagen und zu tun, ob aus eigener betroffenheit oder ohne selbst ziel der kackscheiße zu sein. und weil nicht ich diejenige bin, die an dieser unangenehmen situation schuld ist.

dennoch, von (self-)empowerment keine spur. nicht von einem guten gefühl, was gesagt zu haben. keine bestärkung dafür das nächste und alle nächsten male wieder etwas zu sagen.

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2 Gedanken zu “realität, wie sie sein sollte vs. realität, wie sie ist

  1. Alter, warum musst du immer empowert werden? X Milliarden Menschen auf der ganzen Welt kommen ohne sone Scheiße klar, aber du Laber-Rhababer stürzt in ne Depression wenn die Empowerung ausbleibt….

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