Der folgende Text ist ein Gastbeitrag:

Wie viele andere habe ich mich schon ziemlich eingehend mit dem Konzept „No means no!“ bzw. „Yes means yes!“ bzw. allgemein mit Konsens in Bezug auf Körperlichkeiten beschäftigt.
Ich weiß, dass ich, und nur ich über meinen Körper zu entscheiden habe.
Ich weiß, dass ich „Nein!“ sagen kann und darf und sollte, wenn ich nicht mag, dass und/oder wie ich berührt werde.
Ich weiß, dass ich nach meinem Empfinden entscheiden kann, ob eine Situation_Handlung für mich gerade angenehm ist, ob ich das möchte.
Ich weiß, dass ich nichts machen muss, was ich nicht möchte.
Ich weiß noch so einiges mehr.
Es ist mir sehr bewusst.

Aber dieses Wissen und dieses Bewusstsein in die Tat umzusetzen ist leichter gedacht als getan.

Vor allem, wenn es um Situationen geht, die mit Personen erlebt werden, die eine gerne mag und denen eine auch vertraut.
Wenn es um Situationen geht, die nicht unaushaltbar und schrecklich sind, sondern sich vielleicht nur ein kleines bisschen nicht gut anfühlen.

In solchen Situationen ist es sehr schwer, tatsächlich „Nein!“ zu sagen.
Vielleicht überspielt eine sogar (bewusst oder unbewusst) körperliche Reaktionen, die „Nein!“ heißen können.

Und spätestens danach wird einer bewusst, dass da gerade Dinge passiert sind, die so nicht unbedingt gewollt und schön waren.

Und das macht alles dann nochmal komplizierter.
Festzustellen, wider besseres Wissen nicht „Nein!“ gesagt zu haben, nicht interveniert zu haben.
Ein schlechtes Gewissen fast schon. „Ich bin doch stark, ich bin doch Feministin*, ich weiß, dass nur ich über meinen Körper zu entscheiden habe, ich weiß was Konsens heißt. Warum kann_konnte ich dieses Wissen nicht umsetzen??!“ Und das Gedankenkarussell geht los.
Das Gefühl, der anderen Person das mitteilen zu wollen und zu müssen, um solche Situationen in Zukunft zu vermeiden. Gerade weil_wenn es eine vertraute geliebte_gemochte Person ist. Die Situation, die aus einem „Miteinander“ entstanden ist, miteinander lösen.

Aber da ist das Gedankenkarussell im Weg. Und jede Möglichkeit, das Geschehene anzusprechen, die ungenutzt verstreicht, treibt es noch mehr an und macht es noch viel schwerer darüber zu sprechen, was passiert ist.

Es war ja auch gar nicht so schlimm. War die Situation vielleicht auch nicht. Aber das Muster dahinter_darin, die Tatsache, dass es keinen Konsens gab, dass das Gegenüber offensichtlich nicht gemerkt hat, dass etwas nicht passt, das ist schlimm.

Das darüber Reden, im Nachhinein und sonst, wird dadurch nicht einfacher.

Und das „Nein!“ sagen, bevor es dazu kommt, auch nicht.

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Ein Gedanke zu “Die Schwierigkeit, „Nein!“ zu sagen

  1. Khalil Gibran hat mal geschrieben, sinngemäß: wir sind nur Inseln im Meer, und haben alkein die Hoffnung wenn wir mit anderen Inseln in Kontakt treten wollen, das die Flaschenpost die wir losschicken auch ankommt und gelesen werden kann. In diesem Sinn wünsch ich viel Vertrauen und Kraft für den Weg und das Bewusstsein das es dem*/der* Gegenüber ja nicht anders geht: da herrscht genauso viel Unsicherheit, Gedankenkarussel und „Mal passt das Gespür, mal nicht“. „Scheitern“ in Kommunikation ist normal, niemand kann Gedankenlesen. Mir hilft das nachgibig gegenüber den eigenen „Fehlern“ zu sein und langsam aber sicher zwischen Beduerfnis und Wunsch zu differenzieren. Bin gespannt darauf wie Du damit weiter umgehst. Würdest Du eine Fortsetzung, einen Erfahrungsbericht Teil zwei zu schreiben?

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